Mittwoch, 9. Februar 2011

kohle & zahl

Großrazzien, CD-Skandale, Selbstanzeigen im Rekordvolumen, immer heftigere Kartellverfahren und Korruptionsprozesse, steil nach oben zeigende Kurven. Die Fachleute sind sich einigermaßen einig, dass Deutschland in den letzten zehn Jahren zum ersten Mal seit mindestens 1949 den ernsthaften Versuch unternimmt, die real gezahlten (vor allem Unternehmens-)Steuern und Sozialabgaben den Sollwerten anzunähern. Noch in der Wirtschaftswunderzeit waren die deutschen Steuergesetze hingegen kaum das Papier wert, auf dem sie geschrieben waren.
Dass die Durchsetzungswellen der letzten Jahre wahrscheinlich allenthalben als eine drastische Zunahme der Taten, nicht als eine drastische Verschärfung der Verfolgung, wahrgenommen werden (»es wird immer schlimmer, immer doller«), ist das Schicksal allen staatlichen Vorgehens gegen Normenverstöße. Aber Zollbeamtin, Kartellrichter oder Oberfinanzpräsidentin ist man ja gemeinhin nicht aus Freude an öffentlichem Zuspruch.

Kommentare:

  1. Hast du dafür Belege - ich find die These durchaus spannend und nicht ganz abwegig. Wobei, wenn ich mir die Steuereinnahmen ansehe, kann man fast den Eindruck bekommen, dass der konjunkturbedingte Anstieg der Steuereinnahmen so groß war, dass "die paar Steuerfahnder" dann auch nichts ausmachen.

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  2. Was den Steueraspekt betrifft, gab es mal einen exzellenten Artikel in der FTD, den ich jetzt leider online nicht mehr finde. Dass Schwarzarbeit bis ca. 2000 in Deutschland weniger konsequent verfolgt wurde als danach, ist relativ klar und geht auch aus den Statistiken hervor, die mit Einführung der Finanzkontrolle Schwarzarbeit nach oben knicken. Beim Kartellrecht habe ich keine Daten, gehe aber davon aus, dass mit zunehmendem Einfluss der EU auf das Wettbewerbsrecht die deutschen Kartellbehörden notgedrungen angefangen haben, sich Sachen anzusehen, die sie früher lieber übersehen haben, und gefühlsmäßig passt die Berichterstattung der letzten Jahre auch dazu.

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