Samstag, 13. August 2011

landliebe

Für alle Leute, die sich nach dem ruhigen Landleben sehnen, möchte ich sicherheitshalber aus meiner Erfahrung aus nahezu 21 Jahren auf dem westpfälzischem Dorf Folgendes anmerken (gerade neulich wieder bekräftigt):
Auf dem Dorf ist es tagsüber nicht leise. Nie.

  • Ich weiß bis heute nicht genau, was mit den jaulenden Gebläsen in die Speicher der Bauern gepustet wird (vermutlich Heu), aber die Dinger laufen den ganzen Tag durch und sind im gesamten Dorf hörbar.
  • Wer nicht gerade den Rasen mäht, hält mit der Motorsense das Gestrüpp nieder oder gniedelt mit dem Kantentrimmer an den Gartenbrettern lang.
  • Das Grollen eines Mähdreschers am Horizont gegen 22 Uhr 45 weckt nur bei ganz Eingefleischten Heimatgefühle.
  • Wenn nachts Ruhe eingekehrt ist, kommt stets zum richtigen Zeitpunkt ein Moped vorbei.
  • Ansonsten gilt: Es hat immer irgend jemand Brennholz zu sägen.

Kommentare:

  1. Hehe, jaja och ich sehne mich dennoch manchmal danach ;)

    Mit den Gebläsen wird eigentlich nur Korn (Weizen/Hafer usw)auf den Kornspeicher befördert.
    Heu und Stroh wird zumeist in Ballen gepresster Form verstaut. Wobei dies heute zumeist nur noch große Rundballen sind, jedenfalls bei "größeren" Bauern bzw Landwirten.

    LG Dom ;)

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  2. Hi Matthias.
    Zur Richtigstellung: mit den Gebläsen wird Getreide in die Speicher geblasen.
    Außerdem hast du etwas wichtiges vergessen:
    Die Dorfprolls mit ihren tiefer gelegten Kisten ohne jeglichen Schalldämpfern in den 3 bis 4 Zoll Auspuffanlagen und den komplett überdimensionierten und übersteuerten Anlagen.

    Schönen Gruß vom schönsten A... der Welt

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  3. Full ACK. Es muss ja gar nicht mal Landwirtschaft im Spiel sein, eine ganz normale Siedlung mit Gartenbesitzern reicht schon. Andauernd muss ein Nachbar seine Kettensäge ausführen, oder man hört das leise Aufheulen einer anlaufenden Kreissäge, die das bei weitem nicht mehr so leise Kreischen einige Sekunden später ankündigt. Natürlich zu absolut jeder Tageszeit. Auch ganz beliebt: An einem Sommerwochenende gegen 7 Uhr morgens das Geräusch eines anspringenden Rasenmähers gefühlt unter dem eigenen Fenster.

    Da lebe ich doch lieber in einer Millionenstadt an einer Hauptstraße; hier im Hinterhof ist es absolut ruhig (außer wenn ein paar Jugendliche spät nachts alkoholisiert durch die Nebenstraßen ziehen), die Straßenbahn direkt vor dem Haus auf Rasengleis ist praktisch komplett lautlos, ganz im Gegensatz zu den Zügen auf dem Land, wo die Hupe vor dem ungesicherten Bahnübergang auf der anderen Talseite herüberdröhnt, oder je nach Windrichtung das Kreischen der Spurkränze der S-Bahn in einer engen Kurve mehr als einen Kilometer weit zu hören ist. Aber jetzt gibt es eh die neue Umgehungsstraße, die einige der anderen Lärmquellen übertönt, und neben den Autos mit ihren Rollgeräuschen gibt es auf dem Land auch Motorräder. Und egal auf welchem Berg oder auf welchem See man ist, in der perfekten Idylle ohne die Spuren eines menschlichen Eingriffs in Sichtweite, Motorräder hört man immer.

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