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Mittwoch, 30. Oktober 2013
und wieder ist es nacht im b-turm
Ich höre zufällig, weil Last.FM es mir einbrockt, dänischen Hip-Hop. Wenn man nicht genau hinhört, klingt das auch nicht anders als Hamburger Hip-Hop.
Mittwoch, 9. Oktober 2013
gelesen und gesehen
Brigitte Sauzay, « Retour à Berlin »: Dieses Buch stand gefühlte zehn Jahre lang auf meinem Amazon-Wunschzettel. Brigitte Sauzay war eine französische Regierungsübersetzerin und Deutschlandspezialistin, das Buch ist ein stilisiertes, essayistisches Tagebuch des Jahres 1997. Es geht viel um das Verhältnis von West- und Ostdeutschland, aber auch um Fragen dazu, was Deutschsein von außen gesehen ausmacht.
Das Buch ist, obwohl es viel um die Tagespolitik von vor 16 Jahren geht, überraschend aktuell. Fast ein bisschen frustrierend, dass sich in der Zwischenzeit so wenig getan hat. Sauzays Blick auf viele die Deutschen spaltende Themen lässt außerdem erkennen, wie sehr sich französische und deutsche Vorstellungen davon, was links und was rechts ist, unterscheiden.
Alfonso Cuarón, « Gravity »: Wow. Auf diesen Film habe ich gefühlt mein ganzes Leben lang gewartet. Ich hoffe, sein Erfolg bei der Kritik und an der Kasse bedeutet, dass wir uns auf darauf freuen dürfen, dass es endlich mal wieder ein paar mehr Filme gibt, die im Weltall spielen und keine Space Opera sind.
Das Buch ist, obwohl es viel um die Tagespolitik von vor 16 Jahren geht, überraschend aktuell. Fast ein bisschen frustrierend, dass sich in der Zwischenzeit so wenig getan hat. Sauzays Blick auf viele die Deutschen spaltende Themen lässt außerdem erkennen, wie sehr sich französische und deutsche Vorstellungen davon, was links und was rechts ist, unterscheiden.
Alfonso Cuarón, « Gravity »: Wow. Auf diesen Film habe ich gefühlt mein ganzes Leben lang gewartet. Ich hoffe, sein Erfolg bei der Kritik und an der Kasse bedeutet, dass wir uns auf darauf freuen dürfen, dass es endlich mal wieder ein paar mehr Filme gibt, die im Weltall spielen und keine Space Opera sind.
Mittwoch, 2. Oktober 2013
bei profis kommt das licht von vorne
Deutschland ist schuld. Das System ist schuld. Du bist schuld. Ich nicht.
Samstag, 28. September 2013
Sonntag, 22. September 2013
qualitätsmedium
Die beste Zeitung Deutschlands ist der Deutschlandfunk. Leider kann man den nicht gedruckt kaufen und der Internetauftritt soll auch hauptsächlich das Hörprogramm erschließen. Seit ich jedenfalls wieder einen funktionsfähigen Tuner habe, fange ich wieder an, mehr und mehr Deutschlandfunk zu hören (vor August 2006 habe ich quasi das jede freie Minute getan), und denke mir regelmäßig: wie gut ist das doch; schade, dass das nicht stärker rezipiert wird.
Montag, 16. September 2013
gehört:
Phrasenmäher, »Heimathiebe Vol. 1«: Nun auch schon wieder zwei Jahre alt und keine superdicke Nachricht. Aber ich weiß nicht, wann ich zuletzt so viel so lustige und so gut gemachte Musik auf einem Album gehört habe. Leider wird das Video der supergenialen, irgendwie nach 1980er-Kinderserienvorspann klingenden Albumversion von »Wermelskirchen« nicht gerecht.
Das Album ist übrigens nicht teuer und wird zusammen mit einer Autogrammkarte und einem Stapel Aufkleber geliefert. Am besten direkt bestellen.
Dienstag, 21. Mai 2013
bekannt aus der werbung
Wenn man in ein Programmkino geht und dort ein paar Trailer sieht, könnte man auf die Idee kommen, dass die europäische, vor allem französische, Filmindustrie, zumindest soweit sie für den Export nach Deutschland arbeitet, ein Publikum bedient, das zum größten Teil aus Lehrerehepaaren, auf jeden Fall aber aus mittelschichtigen BildungsbürgerInnen besteht. Formelhafte, irgendwie immer gleiche Familien-, Bildungs- und Inklusionsthemen werden vor Kulissen abgehandelt, wo durchschnittliche deutsche Jack-Wolfskin-KundInnen gerne Urlaub machen würden. Ich finde das meistens furchtbar, auch wenn es handwerklich gut gemacht ist.
Vorgestern habe ich »Ziemlich beste Freunde« gesehen, ein Film, der diese Formel einerseits perfekt umsetzt, andererseits aber auch drastisch bricht. Bezeichnend eine Szene, in der ein Orchester ein privates Wunschkonzert für den schwerreichen Querschnittsgelähmten und seinen senegalesischen Pfleger aus der Banlieue gibt, mit der ersterer letzteren von den Qualitäten der »klassischen« Musik begeistern will. Natürlich beginnt das mit einem Satz aus einer von Vivaldis »Vier Jahreszeiten«, und man weiß auch schon, wie es jetzt eigentlich weitergehen müsste: der ungehobelte Klotz wird von Ehrfurcht gepackt, ein neues Verständnis glimmt in seinen Augen auf, eine Bildungsgeschichte beginnt.
Statt dessen passiert hier das Gegenteil; Driss, der Pfleger, bleibt unbeeindruckt und spottet weiter, der Millionär lässt das Orchester ein Stück nach dem anderen spielen, und spätestens wenn Driss anmerkt, dass er eines der Stücke aus einer Bach-Cellosuite »aus der Werbung« kennt und kurz darauf die als Nokia-Klingelton bekannt gewordene Badinerie aus BWV 1067 folgt, wird einem klar, dass der Film hier mit den Erwartungen und dem Horizont seines öffentlich-rechtlichen Publikums spielt. Denn eben weil dieses nur einige wenige Stücke aus der »Klassik« kennt, aber, wenn so etwas vorkommt, unbedingt die eigene Bildung durch deren Wiedererkennen bestätigt haben möchte, müssen es genau die sein, die hier vorkommen. Aber der Punkt, an dem irgend jemand im Film oder im Publikum irgend etwas lernt, ist erst erreicht, als die Klassikradio-Musik aufhört und man in einer Einstellung ganz kurz sehen kann, dass das Orchester bei »Boogie Wonderland« mitspielt.
Vorgestern habe ich »Ziemlich beste Freunde« gesehen, ein Film, der diese Formel einerseits perfekt umsetzt, andererseits aber auch drastisch bricht. Bezeichnend eine Szene, in der ein Orchester ein privates Wunschkonzert für den schwerreichen Querschnittsgelähmten und seinen senegalesischen Pfleger aus der Banlieue gibt, mit der ersterer letzteren von den Qualitäten der »klassischen« Musik begeistern will. Natürlich beginnt das mit einem Satz aus einer von Vivaldis »Vier Jahreszeiten«, und man weiß auch schon, wie es jetzt eigentlich weitergehen müsste: der ungehobelte Klotz wird von Ehrfurcht gepackt, ein neues Verständnis glimmt in seinen Augen auf, eine Bildungsgeschichte beginnt.
Statt dessen passiert hier das Gegenteil; Driss, der Pfleger, bleibt unbeeindruckt und spottet weiter, der Millionär lässt das Orchester ein Stück nach dem anderen spielen, und spätestens wenn Driss anmerkt, dass er eines der Stücke aus einer Bach-Cellosuite »aus der Werbung« kennt und kurz darauf die als Nokia-Klingelton bekannt gewordene Badinerie aus BWV 1067 folgt, wird einem klar, dass der Film hier mit den Erwartungen und dem Horizont seines öffentlich-rechtlichen Publikums spielt. Denn eben weil dieses nur einige wenige Stücke aus der »Klassik« kennt, aber, wenn so etwas vorkommt, unbedingt die eigene Bildung durch deren Wiedererkennen bestätigt haben möchte, müssen es genau die sein, die hier vorkommen. Aber der Punkt, an dem irgend jemand im Film oder im Publikum irgend etwas lernt, ist erst erreicht, als die Klassikradio-Musik aufhört und man in einer Einstellung ganz kurz sehen kann, dass das Orchester bei »Boogie Wonderland« mitspielt.
Montag, 4. Juli 2011
i'm getting sentimental over you
Handwerker legen gerade mit messerscharf gezogenen Kanten den letzten Schliff an eine der früher hässlichsten Ecken der Stadt an, die jetzt mit neuen Treppen, neuen Türen, neuen Briefkästen, neuen Vordächern dieselbe »Alles frisch saniert«-Optik verpasst bekommen hat wie große Teile der Republik, alles einheitlich in Eisenglimmer und Einscheibensicherheitsglas; und bei der Arbeit hören sie ganz laut die Commodores, mit einem wetterfesten und stoßgeschützten, akkubetriebenen Baustellenradio der Firma Makita.
Ich kann mir nicht helfen, aber ich mag dieses Land und ich mag diese Leute einfach.
Ich kann mir nicht helfen, aber ich mag dieses Land und ich mag diese Leute einfach.
Donnerstag, 30. Juni 2011
rockstarpraktikum
Am vergangenen Samstag hatte ich einen Auftritt als Aushilfskeyboarder bei einer Metalband, d.i. Heralder, wo mein Freund Torsten Bass spielt. So etwas habe ich noch nie gemacht - weder stilistisch noch logistisch. Gewisse Dinge ändern sich natürlich nie: Dass Band-Auftritte ein sich endlos ziehendes Herumgurken in verschiedenen Autos bedeuten, um die zahllosen benötigten Sachen an die verschiedenen beteiligten Orte zu transportieren, beispielsweise. Da vorher in einem nahgelegenen Proberaum noch eine Durchlaufprobe angesetzt war, verkomplizierte sich das nochmal. Und ich musste zudem noch aus Marburg nach Saarbrücken anreisen, wofür mir die Firma Sixt freundlicherweise gegen entsprechende Bezahlung einen Ford Focus zur Verfügung stellte.
Bei der genannten Durchlaufprobe hatte ich dann gleich wieder dasselbe Problem, das ich mit anderen Bands auch schon erlebt habe: Wenn auf dem selbstgeschriebenen Leadsheet sowas wie »Chromatische Figur über E« oder »Tubular-Bells-ähnliches Motiv über D« steht und ich das alles heftig zum Playback geübt habe, heißt das noch lange nicht, dass mir dann bei der Generalprobe dieses Motiv auch wieder einfällt. Ich glaube, es regte sich da durchaus eine gewisse Skepsis beim Rest der Band. In Zukunft muss ich mir sowas tatsächlich in Noten aufschreiben, glaube ich. Zu meiner Verteidigung sei auch gesagt, dass ich wegen Erkältung und anderen Gründen nur etwa drei Tage zum Üben hatte, noch nie vergleichbare Musik gemacht habe und die acht Stücke gefühlt mehr Abschnittswechsel und verschiedene Harmonien enthielten als das Gesamtwerk von Emerson, Lake & Palmer. Metal ist halt, um einen anderen Freund zu zitieren, erstaunlich intellektuelle Musik.
Der Auftritt selber war dann im Devil's Place, so einer Art Grillhütte mitten in der Stadt, insofern genau die Art von Venue, wo bisher quasi alle Auftritte, die ich je mit Rockbands hatte, gelaufen sind, wenn man mal von diversen Kirchenmuggen und einem Auftritt in einem größeren Bierzelt in Ober-Bessingen (oder war's Nieder-Bessingen?) 2003 absieht. Erstaunlicherweise habe ich dann auch die in der Probe verwackelten Stücke einigermaßen hingekriegt, der Sound war, obwohl nahezu nur über Backline gespielt wurde, richtig sauber, ich habe Lob von Leuten bekommen, die die Band schon kannten (ich hatte Heralder noch nie gehört), es gab ordentlich Bruch Zwickel für umsonst, natürlich wurde geschwenkt und alles in allem war es ein sehr schöner Abend. Wenn ich es richtig verstanden habe, hat man mir in Form von immerhin 50 Euro Spritgeld sogar die komplette nach Abzug der Getränke übrige Gage weitergereicht, so dass ich meine Unkosten ungefähr um ein Drittel reduzieren konnte.
Bei der genannten Durchlaufprobe hatte ich dann gleich wieder dasselbe Problem, das ich mit anderen Bands auch schon erlebt habe: Wenn auf dem selbstgeschriebenen Leadsheet sowas wie »Chromatische Figur über E« oder »Tubular-Bells-ähnliches Motiv über D« steht und ich das alles heftig zum Playback geübt habe, heißt das noch lange nicht, dass mir dann bei der Generalprobe dieses Motiv auch wieder einfällt. Ich glaube, es regte sich da durchaus eine gewisse Skepsis beim Rest der Band. In Zukunft muss ich mir sowas tatsächlich in Noten aufschreiben, glaube ich. Zu meiner Verteidigung sei auch gesagt, dass ich wegen Erkältung und anderen Gründen nur etwa drei Tage zum Üben hatte, noch nie vergleichbare Musik gemacht habe und die acht Stücke gefühlt mehr Abschnittswechsel und verschiedene Harmonien enthielten als das Gesamtwerk von Emerson, Lake & Palmer. Metal ist halt, um einen anderen Freund zu zitieren, erstaunlich intellektuelle Musik.
Der Auftritt selber war dann im Devil's Place, so einer Art Grillhütte mitten in der Stadt, insofern genau die Art von Venue, wo bisher quasi alle Auftritte, die ich je mit Rockbands hatte, gelaufen sind, wenn man mal von diversen Kirchenmuggen und einem Auftritt in einem größeren Bierzelt in Ober-Bessingen (oder war's Nieder-Bessingen?) 2003 absieht. Erstaunlicherweise habe ich dann auch die in der Probe verwackelten Stücke einigermaßen hingekriegt, der Sound war, obwohl nahezu nur über Backline gespielt wurde, richtig sauber, ich habe Lob von Leuten bekommen, die die Band schon kannten (ich hatte Heralder noch nie gehört), es gab ordentlich Bruch Zwickel für umsonst, natürlich wurde geschwenkt und alles in allem war es ein sehr schöner Abend. Wenn ich es richtig verstanden habe, hat man mir in Form von immerhin 50 Euro Spritgeld sogar die komplette nach Abzug der Getränke übrige Gage weitergereicht, so dass ich meine Unkosten ungefähr um ein Drittel reduzieren konnte.
Samstag, 4. Juni 2011
born to be alive
Ich habe mir jetzt tatsächlich auch mal das Video zu Lady Gagas »Born This Way« angeschaut, das die deutsche Feuilletons ins Rotieren gebracht hat. Was mir dazu einfällt: Irgendwie ist es enttäuschend, dass nach dem mystischen Vorgeplänkel dann bloß diese Musik kommt; aber andererseits, Progrock ist häufig letztlich auch nicht komplexer gewesen, und es ist doch irgendwie schön, wenn sich der aktuelle Pop dieselben aufgeblasenen Flachheiten, aus denen Konzeptalben schon immer bestanden haben, zu eigen macht. Und wie fast immer, wenn ich mal »normales« Radio höre, denke ich, dass sich bei chartgängiger Musik doch letztlich seit 1995 gar nicht so viel getan hat - ich warte immer irgendwie darauf, dass gleich Haddaway zu rappen anfängt.
Montag, 14. März 2011
popshop
Dass die Titelmusik von »The Big Bang Theory« von den Barenaked Ladies ist, könnte logischer nicht sein. Die einzige andere Möglichkeit wären They Might Be Giants, und von denen ist schon die Titelmusik der Daily Show.
Sonntag, 6. März 2011
schwäne
gesehen:
Black Swan: Nach meinem Dafürhalten ist das ziemlich exakt das, was herauskommen würde, wenn man einen amerikanischen Regisseur beauftragt, das zu machen, was Amerikaner für einen französischen Film halten. Vielleicht ist ja auch genau das passiert? Eine inhaltlich eigentlich unabhängige Beobachtung dazu: Wenn man einen Film über klassisches Ballett machen möchte, der nicht bloß ein Arthouse-Publikum anspricht, gibt es exakt zwei Stücke, die man als Folie heranziehen kann, und die sind dann auch noch beide vom selben Komponisten. Das logische Sequel zu »Black Swan« wäre dann was? »White Mouse«? »Acid Fairy«?
besichtigt:
Mathematikum Gießen: Ein schönes Gebäude, einige ganz spannende Exponate, kaum thematisch gegliedert, aber wirklich eine gute Idee. Ich würde mich freuen, wenn die in das seit Jahren leerstehende alte Postgebäude daneben expandieren würden.
Black Swan: Nach meinem Dafürhalten ist das ziemlich exakt das, was herauskommen würde, wenn man einen amerikanischen Regisseur beauftragt, das zu machen, was Amerikaner für einen französischen Film halten. Vielleicht ist ja auch genau das passiert? Eine inhaltlich eigentlich unabhängige Beobachtung dazu: Wenn man einen Film über klassisches Ballett machen möchte, der nicht bloß ein Arthouse-Publikum anspricht, gibt es exakt zwei Stücke, die man als Folie heranziehen kann, und die sind dann auch noch beide vom selben Komponisten. Das logische Sequel zu »Black Swan« wäre dann was? »White Mouse«? »Acid Fairy«?
besichtigt:
Mathematikum Gießen: Ein schönes Gebäude, einige ganz spannende Exponate, kaum thematisch gegliedert, aber wirklich eine gute Idee. Ich würde mich freuen, wenn die in das seit Jahren leerstehende alte Postgebäude daneben expandieren würden.
Freitag, 4. März 2011
priming und so
In der Unterführung zu den Geisteswissenschaften hängen diverse Plakate gegen Nazis und gegen Burschenschafter - das muss wohl der Grund sein, warum ich auf einem Plakat direkt daneben »Neil Landstrumm« als etwas ganz anderes gelesen habe, nämlich »Heil Landsturm«.
Montag, 21. Februar 2011
and now for something
- Steely Dan, »a group who served as the house band for every 1978 West Coast singles bar despite being more lyrically subversive than the Sex Pistols and the Clash combined« (Chuck Klosterman), lieferten die musikalische Untermalung zum Diner beim Winterball der Stiftung der Deutschen Wirtschaft. Höchst amüsant - die Leute hören das glattgebügelte jazzige Dahingeplätscher und merken nicht, dass es da beispielsweise gerade darum geht, wie jemand seine 16jährige Cousine flachlegen möchte, oder dass sich jemand mit einer Kiste Dynamit irgendwo verschanzt hat und sich nicht lebend schnappen lassen wird.
- Der Bahnhof Berlin Südkreuz, neben dem ich jetzt ein paar Tage wohne, ist (zumindest von innen) architektonisch absolut überzeugend. Das habe ich zwar früher schon gedacht, aber je öfter ich durch die Halle gehe, desto beeindruckender finde ich den Bau.
- Mit einem Gasherd kochen ist eine große Umstellung.
Sonntag, 6. Februar 2011
gesehen: Tron: Legacy
Ist der Zweite Weltkrieg seit Star Wars die Blaupause aller Blockbuster? In Tron: Legacy ist die Rede von Völkermord, von schwarzen Garden, die bestimmte Programme auf der Straße exekutiert haben. Geht es nicht anders?
Ist der Zweite Weltkrieg seit Star Wars die Blaupause aller Blockbuster? In Tron: Legacy ist die Rede von Völkermord, von schwarzen Garden, die bestimmte Programme auf der Straße exekutiert haben. Geht es nicht anders?
Donnerstag, 20. Januar 2011
pis zum pitteren ende
Weil ich es gerade mal an anderer Stelle brauche, hier mal ein paar, wenn auch leicht aufgeregte, Worte zum Thema politisches Kabarett in Deutschland, geäußert im Sommer 2008.
Das "politische Kabarett" im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist doch in weitesten Teilen ausschließlich eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für linksreaktionäre Langweiler und IG-Metall-Parolendrescher, die keiner mehr hören will, weil sie seit 1972 dasselbe erzählen, und für völlig unlustige Knalltüten wie Mathias Richling. Die Leute, die wirklich intelligenten politischen Humor machen, könnten auch ohne
Staatssubventionierung überleben; eventuell sogar besser als jetzt, weil ihnen die mundbeatmeten Altlasten nicht mehr mit Hilfe ihrer Fernsehpräsenz das Livepublikum wegzögen.
Vollends unsympathisch wird mir der ganze Laden, wenn ich mir ansehen muss, welches Meinungsmonopol die antiamerikanische Hetze von solchen Leuten wie Hagen Rether und Volker Pispers im staatlich geförderten Kabarettbetrieb zu haben scheint. Ein bisschen Pluralismus wird man doch von staatlicher Kulturförderung erwarten können. (Warum sind die Kabarettisten im öffentlich-rechtlichen Funk praktisch ausschließlich weiße Männer ohne Migrationshintergrund? Weil sie so ein linkes, emanzipatorisches Projekt verfolgen? Was hämmr glacht.)
Im Bereich Comedy hingegen gibt es Leute, die wirklich breite Bildung, Feinsinn und politischen Witz haben (z.B. Dieter Nuhr) und damit Erfolge feiern, ohne dass sie in jedem Scheibenwischer schlecht gereimte Lieder über die Rente mit 67 singen.
Das altväterliche Witzeerzählen, das du meinst, bringen eher solche Leute.
Und halt Mario Barth. Aber der ist weder Kabarettist noch Comedian, der ist der Weg in den Faschismus.
Die Leute, über die ich mich beschwere, haben fossilste SPD- und Gewerkschaftspositionen. Die würden mit Freunden zehn Millionen Chinesen verhungern lassen, wenn es für zehntausend deutsche
Metallfacharbeiter den Flächentarif sichert. Mit linker Politik, also mit emanzipatorischer Politik für alle Menschen, hat das nichts zu tun, genausowenig wie das Geheule um die angebliche Zerschlagung von
sozialen Sicherheitssystemen, die doch ohnehin hauptsächlich der Nivellierung der Wohlstandsverhältnisse innerhalb der Mittelschichten dienen und im langjährigen Mittel den Stärksten niemals nennenswert etwas weggenommen und den Schwächsten niemals nennenswert etwas gebracht haben. Ich habe gesehen, wie im alten BSHG, das sich die Leute, die Hartz IV jetzt rückabwickeln wollten, wahrscheinlich zurückwünschen, entmündigte Schwerstalkoholiker rationiert das Totsaufen bezahlt bekamen, ohne dass es irgend jemanden interessiert hat; ich habe keine Illusionen.
Ich lasse mich gerne belehren, dass es im deutschen Kabarettestablishment Leute gibt, die mehr können als sich einen Wischmopp auf den Kopf binden und behaupten, das sei eine Merkel-Parodie, oder sich daran ergötzen, dass das aus Studienräten und frühpensionierten Bauamtssachbearbeiterinnen zusammengesetzte Publikum es schon schlechthin lustig findet, wenn jemand "Westerwelle" sagt. Aber immer wenn ich mich mal zusammennehme und mir anschaue, was die so hinbringen, kommt da nichts, was auch nur annähernd vermuten ließe, dass da jemand mal radikal Kritik übt oder auch wenigstens Tacheles redet darüber, was in dieser Gesellschaft wirklich kaputt ist, zum Beispiel das Einreißen entmenschlichender Diskurse über Arme, über Ungebildete, über Dicke, über "Leistungsverweigerer", über "die falschen Leute", die angeblich die Kinder kriegen, und die faschistoide Demographiedebatte, über den neuen Antisemitismus, über den alten Rassismus, über die Sozialselektion im Bildungssystem, über die Kollateralschäden der neuen bürgerlichen Restauration ganz allgemein -- oder auch nur, dass da jemand wirklich mal einen lustigen Witz macht, oder dass jemand mit seinem "politischen Kabarett" mal wirklich versucht, die Leute zu erreichen, um die es angeblich geht, auf die Gefahr hin, dass das Publikum aus dem öffentlichen Dienst, mit dem man sich mit diesem ganzen Passatfahrer-Protektionismus über all die Jahre angebiedert hat, sich mit Grausen abwendet von den Arschgeweihträgern.
Bei dem, was da realiter geboten scheint, höre ich mir doch lieber Degenhardt oder Hüsch von vor 40 Jahren an, mal ganz ehrlich; das erscheint mir progressiver.
Das "politische Kabarett" im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist doch in weitesten Teilen ausschließlich eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für linksreaktionäre Langweiler und IG-Metall-Parolendrescher, die keiner mehr hören will, weil sie seit 1972 dasselbe erzählen, und für völlig unlustige Knalltüten wie Mathias Richling. Die Leute, die wirklich intelligenten politischen Humor machen, könnten auch ohne
Staatssubventionierung überleben; eventuell sogar besser als jetzt, weil ihnen die mundbeatmeten Altlasten nicht mehr mit Hilfe ihrer Fernsehpräsenz das Livepublikum wegzögen.
Vollends unsympathisch wird mir der ganze Laden, wenn ich mir ansehen muss, welches Meinungsmonopol die antiamerikanische Hetze von solchen Leuten wie Hagen Rether und Volker Pispers im staatlich geförderten Kabarettbetrieb zu haben scheint. Ein bisschen Pluralismus wird man doch von staatlicher Kulturförderung erwarten können. (Warum sind die Kabarettisten im öffentlich-rechtlichen Funk praktisch ausschließlich weiße Männer ohne Migrationshintergrund? Weil sie so ein linkes, emanzipatorisches Projekt verfolgen? Was hämmr glacht.)
Im Bereich Comedy hingegen gibt es Leute, die wirklich breite Bildung, Feinsinn und politischen Witz haben (z.B. Dieter Nuhr) und damit Erfolge feiern, ohne dass sie in jedem Scheibenwischer schlecht gereimte Lieder über die Rente mit 67 singen.
Das altväterliche Witzeerzählen, das du meinst, bringen eher solche Leute.
Und halt Mario Barth. Aber der ist weder Kabarettist noch Comedian, der ist der Weg in den Faschismus.
Die Leute, über die ich mich beschwere, haben fossilste SPD- und Gewerkschaftspositionen. Die würden mit Freunden zehn Millionen Chinesen verhungern lassen, wenn es für zehntausend deutsche
Metallfacharbeiter den Flächentarif sichert. Mit linker Politik, also mit emanzipatorischer Politik für alle Menschen, hat das nichts zu tun, genausowenig wie das Geheule um die angebliche Zerschlagung von
sozialen Sicherheitssystemen, die doch ohnehin hauptsächlich der Nivellierung der Wohlstandsverhältnisse innerhalb der Mittelschichten dienen und im langjährigen Mittel den Stärksten niemals nennenswert etwas weggenommen und den Schwächsten niemals nennenswert etwas gebracht haben. Ich habe gesehen, wie im alten BSHG, das sich die Leute, die Hartz IV jetzt rückabwickeln wollten, wahrscheinlich zurückwünschen, entmündigte Schwerstalkoholiker rationiert das Totsaufen bezahlt bekamen, ohne dass es irgend jemanden interessiert hat; ich habe keine Illusionen.
Ich lasse mich gerne belehren, dass es im deutschen Kabarettestablishment Leute gibt, die mehr können als sich einen Wischmopp auf den Kopf binden und behaupten, das sei eine Merkel-Parodie, oder sich daran ergötzen, dass das aus Studienräten und frühpensionierten Bauamtssachbearbeiterinnen zusammengesetzte Publikum es schon schlechthin lustig findet, wenn jemand "Westerwelle" sagt. Aber immer wenn ich mich mal zusammennehme und mir anschaue, was die so hinbringen, kommt da nichts, was auch nur annähernd vermuten ließe, dass da jemand mal radikal Kritik übt oder auch wenigstens Tacheles redet darüber, was in dieser Gesellschaft wirklich kaputt ist, zum Beispiel das Einreißen entmenschlichender Diskurse über Arme, über Ungebildete, über Dicke, über "Leistungsverweigerer", über "die falschen Leute", die angeblich die Kinder kriegen, und die faschistoide Demographiedebatte, über den neuen Antisemitismus, über den alten Rassismus, über die Sozialselektion im Bildungssystem, über die Kollateralschäden der neuen bürgerlichen Restauration ganz allgemein -- oder auch nur, dass da jemand wirklich mal einen lustigen Witz macht, oder dass jemand mit seinem "politischen Kabarett" mal wirklich versucht, die Leute zu erreichen, um die es angeblich geht, auf die Gefahr hin, dass das Publikum aus dem öffentlichen Dienst, mit dem man sich mit diesem ganzen Passatfahrer-Protektionismus über all die Jahre angebiedert hat, sich mit Grausen abwendet von den Arschgeweihträgern.
Bei dem, was da realiter geboten scheint, höre ich mir doch lieber Degenhardt oder Hüsch von vor 40 Jahren an, mal ganz ehrlich; das erscheint mir progressiver.
Samstag, 25. Dezember 2010
gehört und gesehen:
Engelbert Humperdinck, »Hänsel und Gretel«: Ich weiß zwar, dass dies ein Wahnsinnserfolg war und bis heute im allgemeinen Repertoire ist, aber trotzdem konnte ich mir nicht so richtig vorstellen, wie ein Märchen mit Kinderliedertexten als durchkomponierte spätromantische Oper funktionieren soll. Interessanterweise funktioniert es wirklich - ich saß da hochgespannt und zeitweise mit nassen Augen, obwohl die Texte teils mehr als bescheuert sind und man die Handlung ja nun wirklich kennt. Was Musik alles bewirken kann.
Freitag, 24. Dezember 2010
DVD von »Das Leben der Anderen« angeschaut, Audiokommentare gehört und Filmbuch gelesen; drei Gedanken:
- In diesem Film wird unglaublich viel neben Türen gestanden.
- Meine bereits beim zweiten oder dritten Anschauen vor Jahren gehabte Vermutung, dass Donnersmarck dezent suggerieren möchte, dass Dreyman Jude sein könnte, wird durch eine geschnittene Passage im Drehbuch meines Erachtens noch verstärkt.
- Frank Schöbels zu Recht ungeheuer erfolgreicher Schinken »Wie ein Stern«, der im Film prominent vorkommt, hat einige vollständige Generalpausen und überhaupt einen so großen Dynamikabstand zwischen den lauten und leisen Parts, dass er fürs heutige Radio überhaupt nicht mehr geeignet wäre.
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