Posts mit dem Label staat werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label staat werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 20. Oktober 2016

heulen und zähneklappern

Lange habe ich hier nichts mehr geschrieben. So oft ich es mir auch vornehme, wieder mehr zu bloggen, es ist dann doch bequemer, Statusupdates auf Facebook rauszuhauen, wo es mittlerweile auch deutlich mehr Leute lesen.
Warum also heute ein neuer Beitrag?
Ich bin gestern von Jena über Nürnberg und Aschaffenburg nach Darmstadt gefahren, bin dort heute ein bisschen rumgelaufen und dann mit dem Bus zum Frankfurter Flughafen; von dort fahre ich wieder zurück nach Jena. (Möglicherweise wurde mir das mit dem Bus so empfohlen, weil im Moment wegen Bauarbeiten die Strecke Eisenach–Erfurt gesperrt ist und daher insgesamt weniger Züge in Ost-West-Richtung fahren? Oder ist das immer die schnellste Verbindung von Darmstadt in den Osten?) Naja, wie auch immer, ich habe gestern die riesige Baustelle zwischen Lichtenfels und Bamberg gesehen, den schicken neuen Aschaffenburger Hauptbahnhof mit allem Drum und Dran, die niedlichen kleinen Bahnhöfe an der Rhein-Main-Bahn, die neue Universitäts- und Landesbibliothek in Darmstadt sowie diverse andere Neubauten und Bauvorhaben in der dortigen Innenstadt, in Frankfurt natürlich den Flughafen mit den ersten Gebäuden der Gateway Gardens und dem »Squaire«, was ein bizarrer, aber faszinierender Ort ist (die größte Gewerbeimmobilie Deutschlands, mit dem wahrscheinlich verkehrstechnisch am besten angebundenen REWE der Welt und u.a. einen Laden, der eigenes darauf konzipiert ist, hochwertige Haushaltswaren und Luxusartikel an asiatische Reisegruppen zu verkaufen). An meinem Fenster zieht Frankfurt vorbei und die neuen Immobilien schimmern in der Sonne.
In Darmstadt gab es gestern ein sicherheitstechnisch heikles Fußballspiel, am Bahnhof war großes Gedränge, aber die Polizei hatte die Lage im Griff. In der glühend heißen Innenstadt gab es viele fröhliche oder weniger fröhliche Betrunkene. Auch heute sehe ich fast ausschließlich Menschen, die einigermaßen gut gekleidet haben, noch Zähne im Mund haben und die hautfarbeninvariant freundlich sind, wenn sie einen fragen, wie denn diese Straße heißt.
Wenn man das alles so sieht, kann man sich schon einmal fragen, wie es zu schaffen ist, durch dieses Land zu gehen und den Eindruck zu haben, dass der Zusammenbruch kurz bevorsteht. Es glaubt nun aber eine große absolute Mehrheit der Deutschen, dass es demnächst schlechter wird, und schätzungsweise 20–25 %, wenn nicht mehr, sind der Meinung, dass zur Abwendung des kommenden Unheils sehr schnell sehr Radikales geschehen muss (das kalkuliere ich so anhand der letzten Wahlergebnisse). Mir macht das wirklich große Angst.
(Posting verfasst am 11.9.2016)

Montag, 18. Mai 2015

nachtrag

Von David Foster Wallace, Gott hab ihn selig, gibt es einen populären Text namens »This is Water«, der unter anderem thematisiert, dass es Bildung (und, worauf mich Judith hinweist, Erziehung) ist, die es uns erlaubt, über die Fixiertheit auf uns selber hinwegzukommen und anzuerkennen, dass nicht alles, was unseren unmittelbaren Interessen zuwiderläuft, böswillig gegen uns gerichtet ist. Wenn das so ist (und ich finde, es spricht vieles dafür), dann sind die Leute, die regelmäßig und in irrstmöglicher Weise Theorien aufstellen, denen zufolge Straßen, Plätze, Kanalisationen, Bahnstrecken usw. absichtlich langsamer als möglich umgebaut werden, einfach ungebildet und/oder schlecht erzogen.

Montag, 11. Mai 2015

wunschpunch

Jenny Schröer, Mitstreiterin aus uralten Jugendpartizipationszeiten, hat mich bei Facebook auf einen Essay von Nils Markwardt bei der Online-Zeit zur Rezeption der derzeitigen Streiks in Deutschland hingewiesen. Das darin enthaltene Theoretiker*-Namedropping und der stellenweise durchkommende hochschullinke Jargon sind m.E. unnötig, aber das macht nichts. Was der Essay vor allem enthält, sind zwei wunderbare zitierwürdige Stellen:
Die SPD agiert momentan also ungefähr so sozialdemokratisch wie Ayn Rand beim Restpostenverkauf.
Und:
Der Staat firmiert bei vielen Bürgern als politische Wunschmaschine, in dessen Maschinenraum man aber lieber keinen Blick werfen will.
Insbesondere letzteres Zitat drückt präzise einen Gedanken aus, den ich regelmäßig habe, vor allem, wenn ich Kommentare unter Online-Presseartikeln zu kommunalpolitischen oder auch lokalwirtschaftlichen Themen lese. Die Männer*, die da schreiben, haben keine Hemmungen, vom Staat (interessanterweise meistens von der Kommune) die Lösung buchstäblich aller Alltagsprobleme zu verlangen. Wenn auf der Straße Betrunkene herumschreien, greifen die Leute heute nicht mehr zum Wassereimer oder rufen die Polizei, sondern rufen nach der Politik, damit diese das Problem prinzipiell und grundlegend lösen möge. Wenn es an billigen Wohnungen mangelt, gründet man keine Spar- und Bauvereine oder Wohnungsbaugenossenschaften mehr, sondern beschimpft den Staat dafür, dass er die (immer wenigen, immer persönlich genannten, immer als »Spekulanten« verteufelten) Privatinvestoren nicht vom Bauen abhält.
Was meine alte Heimat Marburg betrifft, konnte man in der Oberhessischen Presse online schon Leser*meinungen sehen, die die Stadt für den Mangel an Diskotheken oder bestimmten Einzelhandelsgeschäften verantwortlich machten. Andererseits beschwert man sich – bis hoch zu Spitzenkandidaten* der Parteien für die kommende OberbürgermeisterInnenwahl – gleichzeitig über die schlechten Straßen und die vielen Straßenbaustellen. (Dass man gegen Bauprojekte protestiert, weil sie während der Bauzeit Behinderungen verursachen, selbst wenn man sich den Endzustand wünscht, ist ohnehin überall völlig üblich.) Sogar verschwörungstheoretische Elemente kommen hoch, wenn etwa gemutmaßt wird, die rotgrüne Stadtverwaltung plane die Baustellen absichtlich so, dass der Autoverkehr behindert werde, um den Bürgern* das Autofahren abzugewöhnen.
Gleichzeitig aber – und auch das thematisiert Markwardts Essay – halten die Kommentatoren gerne das Fähnchen des hart arbeitenden (und weit pendelnden!) Pflichtmenschen hoch, der nie auf die Idee käme, zwecks Durchsetzung einer Forderung die Arbeit einzustellen oder zwecks politischen Engagements mal eine Stunde früher Feierabend zu machen, und der in alle Richtungen wahllos andere der Faulheit und des Anspruchsdenkens bezichtigt. Die Metapher von der Wunschmaschine trifft es genau: »Der Staat« bzw. »die Politik« (Zuständigkeiten werden grundsätzlich nicht differenziert, man beschimpft beispielsweise einen Baubürgermeister wegen Ordnungsamtsangelegenheiten, die gar nicht in sein Ressort fallen) soll alles richten, aber ohne eigenes Engagement, das über Nörgelei hinausginge, und ohne irgend eine Rücksicht auf Interessenausgleich mit anderen, Machbarkeit oder die tatsächliche politische Gemengelage. Nur so ist es möglich, »die Politik« des Nichtstuns, des Desinteresses und der Inkompetenz zu bezichtigen und gleichzeitig Streikende, Demonstrierende oder auch nur parteipolitisch engagierte pauschal zu diffamieren.
Ich kenne mich mit Psychoanalyse nicht aus, aber es gibt da bestimmt einen Fachterminus für die Situation, in der jemand von einer Übervater- oder -Mutterfigur die Lösung seiner Lebensprobleme verlangt und daran notwendig scheitert. Das, was dies in der deutschen Situation hervorbringt, wird normalerweise als Politikverdrossenheit oder Wutbürgertum beschrieben. Es ist die enttäuschte Abwendung derer vom Staat, die sich nie von ihm abnabeln konnten.

*maskuline Form Absicht

Donnerstag, 4. Dezember 2014

srrrrrrr

Wer eine Meinung dazu hat, ob Marburg eine Seilbahn auf die Lahnberge nach der aktuell vorgelegten Machbarkeitsstudie bauen sollte (siehe auch Verkehrsstudie zur Notwendigkeit), kann hier schon mal abstimmen.

Mittwoch, 26. März 2014

niedertracht

Es gibt ein deutsches »Qualitätsmedium«, für das in meinem Herzen eine besonders finstere Ecke reserviert ist, und das ist die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Weil es mir einfach keine Ruhe ließ, habe ich mal mein Standardbeispiel dafür, warum die FAS so schlimm ist, nachrecherchiert. Ich zitiere:
Glücklich waren auch alle sogenannten Homosexuellen. Das Bundesverfassungsgericht kam nämlich zu dem Schluss, dass ihre sogenannte Schlechterstellung in Partnerschaften im Vergleich zu normalen Ehen verfassungswidrig sei und deswegen der Gesetzgeber bei der Erbschaftsteuer die Privilegierung der Ehe abschaffen müsse. Freilich bleibt erstaunlich, mit welcher Hingabe sich eine demographisch quasi so gut wie zum Tode verurteilte Gesellschaft mit einem für ihren Fortbestand irrelevanten Thema befasst[.]
Wagner, Richard: Das war's. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 33/2010 (22.08.2010), S. 12.
Der dort schreibende Richard Wagner ist übrigens nicht der Richard Wagner, der mit Thea Dorn zusammen das (unbesehen ganz sicher völlig unsägliche) Buch Die deutsche Seele verfasst hat, sondern zehn Jahre jünger und auch mal Kommunikationschef der Bertelsmann-Stiftung gewesen. So ist das eben in der »freiheitlich demographischen Grundordnung« (Kursbuch, 1975).

Freitag, 11. Oktober 2013

gaspreis

Das Jahr 1990 war ein spannendes und schlimmes Jahr für mich als Kind, unter anderem deswegen, weil damals im Spätsommer in der so genannten »Aktion Lindwurm« über 100 000 Giftgasgranaten aus einem Depot bei Clausen, 40 Kilometer Luftlinie von meinem Elternhaus entfernt, unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen zur Vernichtung abtransportiert wurden. Ungefähr um dieselbe Zeit begann die großangelegte Munitionsräumung auf dem Gebiet der ehemaligen Giftgasfabrik Espagit bei Hallschlag in der Vulkaneifel, die zwanzig Jahre dauern sollte. Dass gleich an zwei Orten meines Heimatlandes die Einwohnerschaft darauf vorbereitet sein musste, bei Sirenenalarm Gasschutzhauben anzuziehen, prägte sich mir tief ein, und die Berichte auf Südwest 3 habe ich 23 Jahre später immer noch vor Augen. Der erste Golfkrieg lag gerade zwei Jahre zurück, der Imhausen-Prozess lief, Saddam Husseins, Muammar al-Gaddafis und sonstige Gasarsenale waren tägliches Pressethema.
Seit ich zum ersten Mal davon gehört habe, dass die Vernichtung nahezu aller größeren C-Waffen-Bestände der Welt nicht nur beschlossen wurde, sondern tatsächlich auch seit Jahren effektiv umgesetzt wird, erzähle ich gerne anderen Leuten davon. Kaum jemand weiß das nämlich. Das wird sich mit der heutigen Vergabe des Friedensnobelpreises für die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) sicher ändern. Und das ist gut. Denn dass sich irgendwann keine Achtjährigen mehr im tiefsten Frieden davor fürchten müssen, dass man lastwagenweise Kampfstoffe durch ihr Dorf fährt, ist nur die kleinste und unwichtigste Facette dieses größten Abrüstungsprogramms der Menschheitsgeschichte.

Mittwoch, 9. Oktober 2013

gelesen und gesehen

Brigitte Sauzay, « Retour à Berlin »: Dieses Buch stand gefühlte zehn Jahre lang auf meinem Amazon-Wunschzettel. Brigitte Sauzay war eine französische Regierungsübersetzerin und Deutschlandspezialistin, das Buch ist ein stilisiertes, essayistisches Tagebuch des Jahres 1997. Es geht viel um das Verhältnis von West- und Ostdeutschland, aber auch um Fragen dazu, was Deutschsein von außen gesehen ausmacht.
Das Buch ist, obwohl es viel um die Tagespolitik von vor 16 Jahren geht, überraschend aktuell. Fast ein bisschen frustrierend, dass sich in der Zwischenzeit so wenig getan hat. Sauzays Blick auf viele die Deutschen spaltende Themen lässt außerdem erkennen, wie sehr sich französische und deutsche Vorstellungen davon, was links und was rechts ist, unterscheiden.

Alfonso Cuarón, « Gravity »: Wow. Auf diesen Film habe ich gefühlt mein ganzes Leben lang gewartet. Ich hoffe, sein Erfolg bei der Kritik und an der Kasse bedeutet, dass wir uns auf darauf freuen dürfen, dass es endlich mal wieder ein paar mehr Filme gibt, die im Weltall spielen und keine Space Opera sind.

Freitag, 4. Oktober 2013

zwei herüberrettungen von facebook

  1. - »Wäre besser, wenn du schon mal deinen Helm holtz.«
    - »Warum?«
    - »Weil ich gleich Ernst mach!«
  2. Ich war ungefähr zwei Monate lang Mitglied in der Facebook-Gruppe »StipendiatInnen & Ehemalige der Förderwerke« und habe dadurch auch mal im Querschnitt das erlebt, woraus sich nach Meinung vieler später mal die deutschen Eliten rekrutieren sollen. Seitdem bin ich froh, dass Frankreich die Atombombe hat. Und überlege, ob man Polen nicht auch eine geben sollte, nur so zur Sicherheit.
    I.e.: Was die Antideutschen in zehn Jahren Marburg nicht geschafft haben, schafft ein Häuflein unerschrockener, nie darum, sich um Kopf und Kragen zu reden, verlegener Polohemdenträger in acht Wochen.

Dienstag, 21. Mai 2013

bekannt aus der werbung

Wenn man in ein Programmkino geht und dort ein paar Trailer sieht, könnte man auf die Idee kommen, dass die europäische, vor allem französische, Filmindustrie, zumindest soweit sie für den Export nach Deutschland arbeitet, ein Publikum bedient, das zum größten Teil aus Lehrerehepaaren, auf jeden Fall aber aus mittelschichtigen BildungsbürgerInnen besteht. Formelhafte, irgendwie immer gleiche Familien-, Bildungs- und Inklusionsthemen werden vor Kulissen abgehandelt, wo durchschnittliche deutsche Jack-Wolfskin-KundInnen gerne Urlaub machen würden. Ich finde das meistens furchtbar, auch wenn es handwerklich gut gemacht ist.
Vorgestern habe ich »Ziemlich beste Freunde« gesehen, ein Film, der diese Formel einerseits perfekt umsetzt, andererseits aber auch drastisch bricht. Bezeichnend eine Szene, in der ein Orchester ein privates Wunschkonzert für den schwerreichen Querschnittsgelähmten und seinen senegalesischen Pfleger aus der Banlieue gibt, mit der ersterer letzteren von den Qualitäten der »klassischen« Musik begeistern will. Natürlich beginnt das mit einem Satz aus einer von Vivaldis »Vier Jahreszeiten«, und man weiß auch schon, wie es jetzt eigentlich weitergehen müsste: der ungehobelte Klotz wird von Ehrfurcht gepackt, ein neues Verständnis glimmt in seinen Augen auf, eine Bildungsgeschichte beginnt.
Statt dessen passiert hier das Gegenteil; Driss, der Pfleger, bleibt unbeeindruckt und spottet weiter, der Millionär lässt das Orchester ein Stück nach dem anderen spielen, und spätestens wenn Driss anmerkt, dass er eines der Stücke aus einer Bach-Cellosuite »aus der Werbung« kennt und kurz darauf die als Nokia-Klingelton bekannt gewordene Badinerie aus BWV 1067 folgt, wird einem klar, dass der Film hier mit den Erwartungen und dem Horizont seines öffentlich-rechtlichen Publikums spielt. Denn eben weil dieses nur einige wenige Stücke aus der »Klassik« kennt, aber, wenn so etwas vorkommt, unbedingt die eigene Bildung durch deren Wiedererkennen bestätigt haben möchte, müssen es genau die sein, die hier vorkommen. Aber der Punkt, an dem irgend jemand im Film oder im Publikum irgend etwas lernt, ist erst erreicht, als die Klassikradio-Musik aufhört und man in einer Einstellung ganz kurz sehen kann, dass das Orchester bei »Boogie Wonderland« mitspielt.

Dienstag, 31. Januar 2012

briefe an meine nichtleser iv

Liebes »free education movement marburg«,
ich gebe es zu: ihr seid ein leichtes Ziel für Spott. Ob das nun euer Newsletter ist, der 150prozentiges Klischee-Marburgertum mit der Tierschutzbeflissenheit und typographischen Verunglücktheit einer Schülerzeitung verbindet, ob das die restringierte Sprache eurer Verlautbarungen ist, die den Eindruck macht, dass kein Satz vorkommen darf, der nicht in einer Frequenzanalyse sämtlicher hochschulpolitischer Mensaflyer der letzten zehn Jahre hoch abschneiden würde, oder schlicht eure extrem unglücklich gewählte Domain freedumm.de.vu.
Aber gerade deswegen gilt, dass ihr und eure Äußerungen als besonders repräsentativ für das gelten könnt, was ich der Einfachheit halber einmal als »den ganzen Unfug« bezeichnen möchte. In eurem neuesten Newsletter kann man letzteren in Reinkultur besichtigen, in einem aus rein gar nichts als recycelten Phrasen bestehenden Grundlagentext namens »Scheiß auf Nation!«, der mit dem wohl tatsächlich ernst gemeinten Untertitel »Ansatz der Dekonstruktion eines Konstrukts« daherkommt und einen atemberaubenden Einblick in die Untiefen des Denkens weiter Teile des Marburger hochschulpolitischen Milieus bietet. Aus diesem Text, der das ja eigentlich rundum lobenswerte Ziel verfolgt, zu zeigen, dass Nationalstaaten eine fragwürdige Errungenschaft sind, kann man lernen, dass:
  • die Aufforderung »Scheiß auf Nation!« eine Aussage sei und
  • als provokativ empfunden werde (wo? an der Marburger Universität? meint ihr das ernst?);
  • Menschen zu »zufälligen Gegebenheiten« »keine engere Bindung entwickeln« müssten (in Zukunft also nur noch arrangierte Ehen und keine Liebe mehr für zugelaufene Haustiere);
  • beim »heutigen Stand der Technik« »niemand auf der Erde mehr (ver)hungern« müsste und »alle ein gutes Leben haben« könnten, wenn wir nur »gemeinsam über die Produktionsmittel verfüg[t]en« sowie die »moderne Gesellschaft als ein Feld widerstreitender Interessen und Akteure« begriffen werden könne (gut, dass das alles endlich mal jemand sagt);
  • Staaten »die Bedingungen erschaff[t]en und durchsetz[t]en, die das kapitalistische Wirtschaften zur Folge haben« (da war doch mal was mit Dialektik...);
  • dass das Stabilitätsgesetz von 1967 irgendwie dazu diene, die Bevölkerung zufrieden zu stellen und damit das Privateigentum zu sichern;
  • die Finanzkrise seit Kurzem vorbei sei;
  • »die überwiegende Mehrheit unter immer beschisseneren Lebensbedingungen« leide, wahrscheinlich, weil der »immer stärker werdende Druck, welcher vom Spiel des globalen Wettbewerbs entfaltet wird[, ...] uns alle krank macht« - deswegen wahrscheinlich auch die seit Jahrzehnten stetig fallende Lebensarbeitszeit und die stetig steigende Lebenserwartung;
  • Staat und Nation in Krisenzeiten besonders bejubelt würden und »die Menschen während wirtschaftlicher Krisen besonders dazu tendier[t]en, sich in nationale Kollektive einzufügen« (ist es verabscheuenswürdiger Positivismus, hier nach Belegen zu fragen?);
  • jede Abgrenzung zwischen Völkern rassistisch sei - die rein sprachliche Abgrenzung, die z.B. vor 1918 in Österreich-Ungarn Staatspraxis und bis mindestens 1945 weithin beliebt war, also ebenfalls, man höre und staune; aber auch »Rasse« sei ja bloß ein rassistisches Konstrukt (konstruiert vermutlich in der Redundanzabteilung für Redundanz);
  • es an den Hochschulen nur noch um »hochschulische Ausbildung« gehe - der beispiellose Boom geisteswissenschaftlicher Studiengänge in Deutschland in den letzten 10-15 Jahren muss wohl daran liegen, dass dort so viele unmittelbar berufsrelevante Inhalte gelehrt werden, dass die AbsolventInnen dann direkt fit für den mörderischen Arbeitsmarkt (Zitat: »Horror«) sind;
  • Sprache, Geschichte und Kultur nichts seien als »irgendwelche belanglosen Worte in noch belangloseren Dokumenten«.
Und dieser letzte Satz erscheint mir dann doch irgendwie wieder passend.
Viele Grüße
m.

Donnerstag, 3. November 2011

bauzeugs

Ich wollte eben etwas über die baulichen Neuigkeiten in der Nordstadt schreiben und mit einem Satz wie diesem beginnen: »Beim hinteren Teil des nahezu abbruchreifen Hinterhauses Ecke Eisenstraße, das eine türkische Unternehmerfamilie zu einem ansehnlichen Mehrfamilienhaus umbaut, wird schon das Dach gedeckt.«
Was ist an diesem Satz falsch und lässt mich über meine eigenen Vorurteile nachdenken? Nicht das »türkisch« - das halte ich auch im Sinne von »türkischstämmig« für richtig, ich bin ja auch kein pfälzischstämmiger Deutscher und »Italian Americans« sind selbstverständlich vollgültige Amerikaner. Das Problem ist das Wort »Unternehmerfamilie«. Das klingt tribal und südländisch, nach Schwarzarbeit und ganz vielen Cousins, die auf dem Bau mithelfen. Nur ist das mit der Schwarzarbeit und den Cousins bei Ethnodeutschen nicht groß anders, auch wenn das dann häufig keine Cousins, sondern irgendwelche Vereinskumpane oder Hartz-IV-beziehende Schwager sind. Aber bei denen sagt man nicht »Unternehmerfamilie«, sondern »Familienunternehmen«. (Google wirft für »türkische unternehmerfamilie« in der Tat 526 Treffer, für »türkisches familienunternehmen« nur 351.)

In other news:

  • Das Haus gegenüber der neuen DVAG-Zentrale, an das sich hinten das komplett runderneuerte und aufgestockte Alten- und Pflegeheim St. Elisabeth anschließt, bekommt im Erdgeschoss, wo ein Haushaltswarengeschäft einer Begegnungsstelle weicht, seine alte Fassade wieder. Gerade wird der Sandsteinsockel erneuert. Damit haben jetzt, seit ich darauf achte, schon mindestens zwei Gebäude in der Bahnhofstraße ihre hässlichen kastigen Vordächer, Leuchtreklamen und Schaukästen verloren. Ich hoffe, der Trend bleibt stabil.
  • Das Chemikum hat ein neues Portal bekommen (notgedrungen, weil der Sockel so hoch ist, dass man einen Einschnitt machen musste, um einen barrierefreien Eingang hinzukriegen, ohne die halbe Fassade mit einer Rampe zu verschandeln). Auf der Simulation sah es aus, als solle es mit buntem Glas oder Keramikplatten verkleidet werden, aber nein, es ist Kupfer! Das ist ja mal edel.
  • Die Baustelle Neue Kasseler Straße wird bald auf die andere Seite springen, mittlerweile wird rechts schon der Bürgersteig gepflastert.
  • Neue Container vor dem Bahnhof lassen vermuten, dass bald auch in der Bahnhofshalle die Baustelle auf die andere Seite übergreift. Demnächst muss man wahrscheinlich zwischen zwei Zäunen im Gänsemarsch zur Unterführung watscheln.

Donnerstag, 20. Oktober 2011

time will run back and fetch the age of gold

Vor über fünf Jahren habe ich schon einmal vom »deutschen Noch« geschrieben, dem Wörtchen, mit dem es Deutsche, die über andere Deutsche sprechen, schaffen, alles, was bei jenen irgendwie richtig läuft, als letztes Aufbäumen vor dem unvermeidlichen Niedergang darzustellen (»noch hat Deutschland eine gute Verkehrsinfrastruktur«, »noch ist der deutsche Fußball international bedeutend«). Es gibt eine andere Erscheinung, die sich nicht mit einem einzelnen Wort designieren lässt, aber mindestens genauso schädlich und bescheuert ist: nämlich das Darstellen von nötigen und wichtigen Fortschrittsleistungen, die erbracht werden müssen, als Rückkehr zu einem irgendwann einmal gewesenen fiktiven besseren Zustand.
Da wird dann so getan, als seien mehr Lebensmittelsicherheit, bessere Kennzeichnungen, regionalere und besser schmeckende Lebensmittel und weniger Wegwerfen bloß ein allfälliges Rückbesinnen auf das Gewesene - als hätte es das Wegrotten von Getreide, Obst und Wurzelgemüse über den Winter nie gegeben, als seien Mutterkorn und Sand im Mehl, als seien Kalk und Bleiweiß in der gepanschten Milch, als seien Trichinen und Dreck in der Wurst nur schlechte Propaganda gewesen, als sei über tausende Kilometer importierter Salzfisch nicht zirka achthundert Jahre lang ein Grundnahrungsmittel der Armen gewesen. Entsprechend verkauft man uns die nötige weitere Humanisierung der Arbeitswelt als Rückkehr in eine goldschimmernde DGB-Wunderwelt der 1970er, in der ausnahmslos alle unbefristete, sozialversicherte Vollzeitstellen hatten und es selbstverständlich weder Tagelöhner noch Hilfsarbeiter noch Hausfrauen noch Leichtlohngruppen oder Heimarbeit im Akkord gab; und die nötige Umstrukturierung des Gesundheitssystems als Rückkehr zu Zeiten, als die Kasse jedem alles zahlte und natürlich niemand irgendwelche Zivilisationskrankheiten hatte; und so weiter und so fort. Es wäre doch ganz nett, wenn sich wenigstens die Presse einmal darauf einigen könnte, dass auf vielen, wahrscheinlich den meisten Gebieten das, was heute schlecht ist, besser werden muss, eben gerade nicht deswegen, weil es früher einmal besser war, sondern weil es in Zukunft besser sein soll.

Montag, 19. September 2011

1UP

Es gibt wie so oft Neuigkeiten aus Marburg. Die Universität hat nach zwei Jahren nahezu geräuschloser Gremienarbeit eine Grundordnung in Kraft gesetzt; das Land hat durch Aufstocken der Mittel die Existenz des Neuen Botanischen Gartens gesichert; im alten EAM-Gebäude sollen Dutzende Sozialwohnungen entstehen; im Frohnhof entsteht nach jahrelangen Diskussionen eine größere Wohnanlage gegenüber dem KFZ; der Bau für dm und Penny bei mir um die Ecke nimmt Fahrt auf; und auf dem ehemaligen Synagogengelände entsteht ein »Garten des Gedenkens« mit einem neuen Durchgang zur Oberstadt.
Die Kräne werden so schnell nicht weniger werden und hier leben bleibt spannend.

Montag, 15. August 2011

geld oder leben

Der gemäßigt libertäre Ökonom und Wirtschaftsblogger Tyler Cowen war beim Economist zum Tee eingeladen und stellt (meines Erachtens völlig berechtigtermaßen) fest, dass es mit der Menschheit derzeit per saldo aufwärts geht, und diese Entwicklung sich nicht groß daran stören wird, wenn ein paar Volkswirtschaften in die Luft fliegen:
»First let me make a distinction on optimism and pessimism. When it comes to revenue, I am pretty much a pessimist, and I sound pessimistic, dark, deep, and gloomy; and I am. But when it comes to human existence, I'm actually pretty optimistic. I think there are a lot of trends in the world which are making our lives better now; these things like falling crime, better matches among married couples, greater tolerance of different groups of people than we used to have - really big, major advances that make lives a lot better. So I'm not pessimistic about humanity now by any means. But I still think we're headed for a big fiscal crack-up.«
Ganz interessant ist auch, wie kalt Cowen die »chinesische Bedrohung« lässt. Zu China hat er im Prinzip nur zwei Dinge zu sagen: Niemand hält deutlich mehr als dreißig Jahre Aufschwung durch, ohne dass es irgendwo knallt; und so ein tolles Gemeinwesen können sie wohl auch nicht haben, wenn es keine einzige chinesische Institution gibt, die international als vorbildlich gehandelt wird.

Montag, 25. Juli 2011

on a tangent from oslo

Es gibt zwei Glaubenssätze, die verbitterte und hasserfüllte Menschen aus ganz unterschiedlichen Ecken des weltanschaulichen und politischen Spektrums vereinen:

  1. Bei uns bekommen die falschen Leute die Kinder.
  2. Es war einmal eine Zeit, da es bei uns für eine Frau noch sicher war, im Dunkeln alleine nach Hause zu gehen.
Da muss Aufklärung ansetzen.

Montag, 4. Juli 2011

i'm getting sentimental over you

Handwerker legen gerade mit messerscharf gezogenen Kanten den letzten Schliff an eine der früher hässlichsten Ecken der Stadt an, die jetzt mit neuen Treppen, neuen Türen, neuen Briefkästen, neuen Vordächern dieselbe »Alles frisch saniert«-Optik verpasst bekommen hat wie große Teile der Republik, alles einheitlich in Eisenglimmer und Einscheibensicherheitsglas; und bei der Arbeit hören sie ganz laut die Commodores, mit einem wetterfesten und stoßgeschützten, akkubetriebenen Baustellenradio der Firma Makita.
Ich kann mir nicht helfen, aber ich mag dieses Land und ich mag diese Leute einfach.

Mittwoch, 9. Februar 2011

kohle & zahl

Großrazzien, CD-Skandale, Selbstanzeigen im Rekordvolumen, immer heftigere Kartellverfahren und Korruptionsprozesse, steil nach oben zeigende Kurven. Die Fachleute sind sich einigermaßen einig, dass Deutschland in den letzten zehn Jahren zum ersten Mal seit mindestens 1949 den ernsthaften Versuch unternimmt, die real gezahlten (vor allem Unternehmens-)Steuern und Sozialabgaben den Sollwerten anzunähern. Noch in der Wirtschaftswunderzeit waren die deutschen Steuergesetze hingegen kaum das Papier wert, auf dem sie geschrieben waren.
Dass die Durchsetzungswellen der letzten Jahre wahrscheinlich allenthalben als eine drastische Zunahme der Taten, nicht als eine drastische Verschärfung der Verfolgung, wahrgenommen werden (»es wird immer schlimmer, immer doller«), ist das Schicksal allen staatlichen Vorgehens gegen Normenverstöße. Aber Zollbeamtin, Kartellrichter oder Oberfinanzpräsidentin ist man ja gemeinhin nicht aus Freude an öffentlichem Zuspruch.

Mittwoch, 26. Januar 2011

these zur verkehrspolitik

Gebührenfreie Dauerparkplätze für Nicht-AnwohnerInnen schaden einer Stadt mehr als sie nutzen. Die beliebte Vorstellung, die Kommunalpolitik könnte es hinkriegen, dass gleichzeitig der Verkehr fließt und trotzdem immer für alle gebührenfreie Parkplätze da sind, ist abwegig und stammt geradewegs aus dem Lalaland.

Donnerstag, 20. Januar 2011

pis zum pitteren ende

Weil ich es gerade mal an anderer Stelle brauche, hier mal ein paar, wenn auch leicht aufgeregte, Worte zum Thema politisches Kabarett in Deutschland, geäußert im Sommer 2008.

Das "politische Kabarett" im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist doch in weitesten Teilen ausschließlich eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für linksreaktionäre Langweiler und IG-Metall-Parolendrescher, die keiner mehr hören will, weil sie seit 1972 dasselbe erzählen, und für völlig unlustige Knalltüten wie Mathias Richling. Die Leute, die wirklich intelligenten politischen Humor machen, könnten auch ohne
Staatssubventionierung überleben; eventuell sogar besser als jetzt, weil ihnen die mundbeatmeten Altlasten nicht mehr mit Hilfe ihrer Fernsehpräsenz das Livepublikum wegzögen.

Vollends unsympathisch wird mir der ganze Laden, wenn ich mir ansehen muss, welches Meinungsmonopol die antiamerikanische Hetze von solchen Leuten wie Hagen Rether und Volker Pispers im staatlich geförderten Kabarettbetrieb zu haben scheint. Ein bisschen Pluralismus wird man doch von staatlicher Kulturförderung erwarten können. (Warum sind die Kabarettisten im öffentlich-rechtlichen Funk praktisch ausschließlich weiße Männer ohne Migrationshintergrund? Weil sie so ein linkes, emanzipatorisches Projekt verfolgen? Was hämmr glacht.)

Im Bereich Comedy hingegen gibt es Leute, die wirklich breite Bildung, Feinsinn und politischen Witz haben (z.B. Dieter Nuhr) und damit Erfolge feiern, ohne dass sie in jedem Scheibenwischer schlecht gereimte Lieder über die Rente mit 67 singen.

Das altväterliche Witzeerzählen, das du meinst, bringen eher solche Leute.

Und halt Mario Barth. Aber der ist weder Kabarettist noch Comedian, der ist der Weg in den Faschismus.

Die Leute, über die ich mich beschwere, haben fossilste SPD- und Gewerkschaftspositionen. Die würden mit Freunden zehn Millionen Chinesen verhungern lassen, wenn es für zehntausend deutsche
Metallfacharbeiter den Flächentarif sichert. Mit linker Politik, also mit emanzipatorischer Politik für alle Menschen, hat das nichts zu tun, genausowenig wie das Geheule um die angebliche Zerschlagung von
sozialen Sicherheitssystemen, die doch ohnehin hauptsächlich der Nivellierung der Wohlstandsverhältnisse innerhalb der Mittelschichten dienen und im langjährigen Mittel den Stärksten niemals nennenswert etwas weggenommen und den Schwächsten niemals nennenswert etwas gebracht haben. Ich habe gesehen, wie im alten BSHG, das sich die Leute, die Hartz IV jetzt rückabwickeln wollten, wahrscheinlich zurückwünschen, entmündigte Schwerstalkoholiker rationiert das Totsaufen bezahlt bekamen, ohne dass es irgend jemanden interessiert hat; ich habe keine Illusionen.

Ich lasse mich gerne belehren, dass es im deutschen Kabarettestablishment Leute gibt, die mehr können als sich einen Wischmopp auf den Kopf binden und behaupten, das sei eine Merkel-Parodie, oder sich daran ergötzen, dass das aus Studienräten und frühpensionierten Bauamtssachbearbeiterinnen zusammengesetzte Publikum es schon schlechthin lustig findet, wenn jemand "Westerwelle" sagt. Aber immer wenn ich mich mal zusammennehme und mir anschaue, was die so hinbringen, kommt da nichts, was auch nur annähernd vermuten ließe, dass da jemand mal radikal Kritik übt oder auch wenigstens Tacheles redet darüber, was in dieser Gesellschaft wirklich kaputt ist, zum Beispiel das Einreißen entmenschlichender Diskurse über Arme, über Ungebildete, über Dicke, über "Leistungsverweigerer", über "die falschen Leute", die angeblich die Kinder kriegen, und die faschistoide Demographiedebatte, über den neuen Antisemitismus, über den alten Rassismus, über die Sozialselektion im Bildungssystem, über die Kollateralschäden der neuen bürgerlichen Restauration ganz allgemein -- oder auch nur, dass da jemand wirklich mal einen lustigen Witz macht, oder dass jemand mit seinem "politischen Kabarett" mal wirklich versucht, die Leute zu erreichen, um die es angeblich geht, auf die Gefahr hin, dass das Publikum aus dem öffentlichen Dienst, mit dem man sich mit diesem ganzen Passatfahrer-Protektionismus über all die Jahre angebiedert hat, sich mit Grausen abwendet von den Arschgeweihträgern.

Bei dem, was da realiter geboten scheint, höre ich mir doch lieber Degenhardt oder Hüsch von vor 40 Jahren an, mal ganz ehrlich; das erscheint mir progressiver.

Freitag, 24. Dezember 2010

DVD von »Das Leben der Anderen« angeschaut, Audiokommentare gehört und Filmbuch gelesen; drei Gedanken:

  1. In diesem Film wird unglaublich viel neben Türen gestanden.
  2. Meine bereits beim zweiten oder dritten Anschauen vor Jahren gehabte Vermutung, dass Donnersmarck dezent suggerieren möchte, dass Dreyman Jude sein könnte, wird durch eine geschnittene Passage im Drehbuch meines Erachtens noch verstärkt.
  3. Frank Schöbels zu Recht ungeheuer erfolgreicher Schinken »Wie ein Stern«, der im Film prominent vorkommt, hat einige vollständige Generalpausen und überhaupt einen so großen Dynamikabstand zwischen den lauten und leisen Parts, dass er fürs heutige Radio überhaupt nicht mehr geeignet wäre.