Ich habe mich gerade bei folgendem Gedanken ertappt: »Ach, eine E-Mail schreiben ist so umständlich, vielleicht solltest du da einfach mal anrufen.«
Werde ich alt? Was passiert mit mir?
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Donnerstag, 26. März 2015
Montag, 9. März 2015
fürs protokoll
Ich bin seit 2006 ein zufriedener Nutzer verschiedener Apple-Produkte: Ich habe mittlerweile das zweite Handy und den dritten Laptop, ich habe sogar einen WLAN-Router mit NAS von Apple. Dennoch finde ich, dass es nicht nötig ist, dass Ankündigungen neuer Apple-Produkte dicke Schlagzeilen bei sämtlichen Online-Qualitätsmedien machen. Und ich bin völlig desinteressiert an allem Fanboygezänk. So desinteressiert, dass ich sogar die typischen »...dann kauft's euch halt nicht«-Sprüche daneben finde. Wer ein Problem mit einer Armbanduhr hat, die jeden Tag ans Netz muss, oder wer ein Problem damit hat, dass andere Leute damit ein Problem haben... das Best ist: noch nicht mal die Klappe halten.
Am 1. April ziehe ich übrigens nach Jena. Da ist es schön und vor allem sehr warm.
Samstag, 12. April 2014
aber sonst
Ich hatte ja mal promotionsbedingt längere Zeit aufgehört, Facebook-Statusupdates zu schreiben. In dieser Zeit habe ich das Schönste aus meiner ganzen vorausgehenden Produktion an ephemerem Quatsch zu einer kleinen Sammlung zusammengetragen, die vielleicht einigen von euch Freude macht: mawas kompendium.
ernsthaft jetzt
Ich hatte versprochen, mich wieder öfter zu melden. Bisher hat das jetzt nicht so gut geklappt. Zur Erklärung: Da mein Stipendium zwei Tage nach Abgabe meiner Dissertation ausgelaufen ist, bin ich jetzt endgültig haupttätiger Freiberufler. Meine Miete und meinen jetzt erschreckend hohen Krankenkassenbeitrag zahle ich von meinen Honoraren als Assistent der Geschäftsführung der Deutschen Gesellschaft für Philosophie und als Redakteur der Deutschen Zeitschrift für Philosophie (die trotz der ähnlichen Namen nichts miteinander zu tun haben). Ansonsten arbeite ich als Korrektor, Lektor, Setzer, Fachgutachter, Autor und so weiter für Verlage und Privatpersonen, gebe für Institutionen, die so etwas brauchen, Kurse in Typografie und LaTeX, und nicht zuletzt bin ich weiterhin Lehrbeauftragter an der hiesigen Universität.* Es hat sich leider bisher noch keine Form von Normalität eingestellt, die mich finanziert und mir gleichzeitig regelmäßig Zeit und Anlass zum Bloggen gibt. Aber ich gebe mir Mühe, das irgendwann einmal herbeizuführen.
*Anders formuliert: Wenn jemand von euch aus irgend einem Grunde einen Korrektor, Lektor, Setzer, Fachgutachter, Autor, Typografie- oder LaTeX-Trainer oder schlicht einen Philosophiedozenten brauchen sollte – ihr wisst, wo mein Kontaktlink ist.
*Anders formuliert: Wenn jemand von euch aus irgend einem Grunde einen Korrektor, Lektor, Setzer, Fachgutachter, Autor, Typografie- oder LaTeX-Trainer oder schlicht einen Philosophiedozenten brauchen sollte – ihr wisst, wo mein Kontaktlink ist.
Donnerstag, 6. Februar 2014
Ich habe am 29. Januar meine Dissertation abgegeben. In Zukunft möchte ich versuchen, hier wieder etwas mehr Content zu produzieren. Mal schauen.
Freitag, 25. Oktober 2013
schade, dass...
...ich keine elektronische Einführung in den frühen deutschen Idealismus herausbringe. Sonst könnte ich sie »E-Manual Kant« nennen.
Freitag, 4. Oktober 2013
zwei herüberrettungen von facebook
- - »Wäre besser, wenn du schon mal deinen Helm holtz.«
- »Warum?«
- »Weil ich gleich Ernst mach!« - Ich war ungefähr zwei Monate lang Mitglied in der Facebook-Gruppe »StipendiatInnen & Ehemalige der Förderwerke« und habe dadurch auch mal im Querschnitt das erlebt, woraus sich nach Meinung vieler später mal die deutschen Eliten rekrutieren sollen. Seitdem bin ich froh, dass Frankreich die Atombombe hat. Und überlege, ob man Polen nicht auch eine geben sollte, nur so zur Sicherheit.
I.e.: Was die Antideutschen in zehn Jahren Marburg nicht geschafft haben, schafft ein Häuflein unerschrockener, nie darum, sich um Kopf und Kragen zu reden, verlegener Polohemdenträger in acht Wochen.
Dienstag, 17. September 2013
Ab sofort ist dieses Blog auch unter http://matthias-warkus.de erreichbar.
Sonntag, 4. September 2011
telematik
Dort, wo die Lahnstraße auf den neuen rechten Lahnuferweg trifft, gibt es jetzt ein solarbetriebenes Wechselverkehrszeichen, das anzeigt, ob die Drehbrücke über das Schwarze Wasser offen oder zu ist. Worte können kaum beschreiben, wie gut ich das finde - nicht nur, weil es den Radverkehr fördert, sondern weil es einfach intrinsisch cool ist, so etwas Maritimes in Marburg zu haben.
Samstag, 20. August 2011
briefe an meine nichtleser iii
Lieber »Marco«,
Sie sind einer der regsten Kommentatoren im Internet-Auftritt der Oberhessischen Presse, der beklagenswerterweise einzigen verbliebenen Marburger Lokalzeitung, und Ihre Kommentare drehen sich stets um dieselben Topoi: Wenn Sie nicht gerade die Aufstellung einer Marburger Bürgerwehr fordern, beklagen Sie gerne, dass man in Marburg schlecht einkaufen könne. Insbesondere die wunderschöne Oberstadt sei ein Problem, da sie (Zitat):
Nach Ihrer Schätzung gibt es also in der Marburger Oberstadt 523 Kneipen und Restaurants - fast doppelt so viele wie in der Düsseldorfer Altstadt. Es gibt viel zu tun!
Prost und viele Grüße,
m.
Sie sind einer der regsten Kommentatoren im Internet-Auftritt der Oberhessischen Presse, der beklagenswerterweise einzigen verbliebenen Marburger Lokalzeitung, und Ihre Kommentare drehen sich stets um dieselben Topoi: Wenn Sie nicht gerade die Aufstellung einer Marburger Bürgerwehr fordern, beklagen Sie gerne, dass man in Marburg schlecht einkaufen könne. Insbesondere die wunderschöne Oberstadt sei ein Problem, da sie (Zitat):
»sowieso zu 70% aus Gastronomie besteht und man durch die flaniert, um sich irgendwann in einem dieser Gastronomiebetriebe niederzulassen. Es sei denn, man ist auf der Suche nach einer Brille. Dann ist man mit 5 Optikern gut bedient.«Mit der n-ten Wiederholung dieser Behauptung haben Sie es endlich geschafft: Ich habe mir die Gelben Seiten geschnappt und recherchiert. In der Marburger Oberstadt gibt es
- 30 Bekleidungsgeschäfte (darunter zwei Wäschegeschäfte und einen Second-Hand-Shop)
- 14 Arzt- und Zahnarztpraxen (fünf Zahnärzte, drei Allgemeinmediziner, je ein Arbeitsmediziner, Augenarzt, Frauenarzt, Hautarzt, Neurologe, und Psychiater)
- zwölf Praxen für Psychotherapie und psychologische Beratung
- zehn Buchhandlungen
- zehn Friseursalons
- sechs Bäckereien und Konditoreien
- sechs Optiker (und nicht bloß fünf!)
- sechs Werbe- und PR-Agenturen sowie Fachgeschäfte für Werbeschilder
- sechs Fachgeschäfte für Bürobedarf, Papier und Schreibwaren
- fünf Goldschmiede, Juweliere und Schmuckwarenhandlungen
- fünf Rechtsanwaltskanzleien
- vier Antiquitätenhandlungen
- vier Designbüros
- vier Fachgeschäfte für Telekommunikation
- vier Immobilienmakler und -verwaltungsunternehmen
- vier Unternehmensberatungen
- drei Antiquariate
- drei Architektur- und Ingenieurbüros
- drei Betten- und Wasserbettenhäuser
- drei Fachgeschäfte für Geschenkartikel und Kunstgewerbe
- drei Schuhgeschäfte
- drei Fachgeschäfte für Tee und Kaffee
- drei Übersetzungsbüros
- drei Weinhandlungen
- zwei Änderungsschneidereien
- zwei Apotheken
- zwei Galerien und Kunsthäuser
- zwei Journalismus- und Lektoratsbüros
- zwei Studios für Kosmetik und kosmetische Laserbehandlung
- zwei Fachgeschäfte für Lederwaren
- zwei Musikschulen
- zwei Parfümerien
- zwei Pflege- und Seniorenheime
- zwei Fachgeschäfte für Schallplatten und CDs
- zwei Spielwarenhandlungen und Fachgeschäfte für Videospiele
- zwei Fachgeschäfte für Sport- und Tanzsportbedarf
- zwei Steuerberatungen
- zwei Fachgeschäfte für Tabak und Spirituosen
- zwei Teppichhandlungen und -reinigungen
- zwei Unternehmen für Veranstaltungstechnik und -dienstleistungen
- zwei Vermögensverwaltungs- und -beratungsunternehmen
- eine Praxis für alternative Heilmethoden
- eine Bankfiliale
- ein Fachgeschäft für Bastelbedarf
- eine Niederlassung der Berufsgenossenschaften
- eine Briefmarkenhandlung
- einen Bürstenmacher
- eine Drogerie
- eine Edelsteinhandlung
- ein EDV-Unternehmen
- ein Einrichtungshaus
- eine Fahrradhandlung
- ein Fitnessstudio
- ein Fachgeschäft für Fotobedarf
- ein Fachgeschäft für Kerzen und Wachswaren
- ein Kino
- einen Kopierladen
- eine Kunsttöpferei
- eine Lackiererei
- eine Fachgeschäft für Lampen und Leuchten
- eine Massagepraxis
- eine Metzgerei
- eine Musikalienhandlung
- ein Musikproduktionsunternehmen
- eine Nachhilfeschule
- ein Nagelstudio
- eine Obst- und Gemüsehandlung
- ein Piercingstudio
- ein Reisebüro
- eine Stoffhandlung
- eine Süßwarenhandlung
- ein Fachgeschäft für Tinte und Toner
- ein Umzugsunternehmen
- eine Verbraucherberatung
- einen Verlag
- eine Versicherungsvertretung
- einen Weltladen
- und einzahntechnisches Labor.
Nach Ihrer Schätzung gibt es also in der Marburger Oberstadt 523 Kneipen und Restaurants - fast doppelt so viele wie in der Düsseldorfer Altstadt. Es gibt viel zu tun!
Prost und viele Grüße,
m.
Montag, 4. Juli 2011
i'm getting sentimental over you
Handwerker legen gerade mit messerscharf gezogenen Kanten den letzten Schliff an eine der früher hässlichsten Ecken der Stadt an, die jetzt mit neuen Treppen, neuen Türen, neuen Briefkästen, neuen Vordächern dieselbe »Alles frisch saniert«-Optik verpasst bekommen hat wie große Teile der Republik, alles einheitlich in Eisenglimmer und Einscheibensicherheitsglas; und bei der Arbeit hören sie ganz laut die Commodores, mit einem wetterfesten und stoßgeschützten, akkubetriebenen Baustellenradio der Firma Makita.
Ich kann mir nicht helfen, aber ich mag dieses Land und ich mag diese Leute einfach.
Ich kann mir nicht helfen, aber ich mag dieses Land und ich mag diese Leute einfach.
Donnerstag, 30. Juni 2011
rockstarpraktikum
Am vergangenen Samstag hatte ich einen Auftritt als Aushilfskeyboarder bei einer Metalband, d.i. Heralder, wo mein Freund Torsten Bass spielt. So etwas habe ich noch nie gemacht - weder stilistisch noch logistisch. Gewisse Dinge ändern sich natürlich nie: Dass Band-Auftritte ein sich endlos ziehendes Herumgurken in verschiedenen Autos bedeuten, um die zahllosen benötigten Sachen an die verschiedenen beteiligten Orte zu transportieren, beispielsweise. Da vorher in einem nahgelegenen Proberaum noch eine Durchlaufprobe angesetzt war, verkomplizierte sich das nochmal. Und ich musste zudem noch aus Marburg nach Saarbrücken anreisen, wofür mir die Firma Sixt freundlicherweise gegen entsprechende Bezahlung einen Ford Focus zur Verfügung stellte.
Bei der genannten Durchlaufprobe hatte ich dann gleich wieder dasselbe Problem, das ich mit anderen Bands auch schon erlebt habe: Wenn auf dem selbstgeschriebenen Leadsheet sowas wie »Chromatische Figur über E« oder »Tubular-Bells-ähnliches Motiv über D« steht und ich das alles heftig zum Playback geübt habe, heißt das noch lange nicht, dass mir dann bei der Generalprobe dieses Motiv auch wieder einfällt. Ich glaube, es regte sich da durchaus eine gewisse Skepsis beim Rest der Band. In Zukunft muss ich mir sowas tatsächlich in Noten aufschreiben, glaube ich. Zu meiner Verteidigung sei auch gesagt, dass ich wegen Erkältung und anderen Gründen nur etwa drei Tage zum Üben hatte, noch nie vergleichbare Musik gemacht habe und die acht Stücke gefühlt mehr Abschnittswechsel und verschiedene Harmonien enthielten als das Gesamtwerk von Emerson, Lake & Palmer. Metal ist halt, um einen anderen Freund zu zitieren, erstaunlich intellektuelle Musik.
Der Auftritt selber war dann im Devil's Place, so einer Art Grillhütte mitten in der Stadt, insofern genau die Art von Venue, wo bisher quasi alle Auftritte, die ich je mit Rockbands hatte, gelaufen sind, wenn man mal von diversen Kirchenmuggen und einem Auftritt in einem größeren Bierzelt in Ober-Bessingen (oder war's Nieder-Bessingen?) 2003 absieht. Erstaunlicherweise habe ich dann auch die in der Probe verwackelten Stücke einigermaßen hingekriegt, der Sound war, obwohl nahezu nur über Backline gespielt wurde, richtig sauber, ich habe Lob von Leuten bekommen, die die Band schon kannten (ich hatte Heralder noch nie gehört), es gab ordentlich Bruch Zwickel für umsonst, natürlich wurde geschwenkt und alles in allem war es ein sehr schöner Abend. Wenn ich es richtig verstanden habe, hat man mir in Form von immerhin 50 Euro Spritgeld sogar die komplette nach Abzug der Getränke übrige Gage weitergereicht, so dass ich meine Unkosten ungefähr um ein Drittel reduzieren konnte.
Bei der genannten Durchlaufprobe hatte ich dann gleich wieder dasselbe Problem, das ich mit anderen Bands auch schon erlebt habe: Wenn auf dem selbstgeschriebenen Leadsheet sowas wie »Chromatische Figur über E« oder »Tubular-Bells-ähnliches Motiv über D« steht und ich das alles heftig zum Playback geübt habe, heißt das noch lange nicht, dass mir dann bei der Generalprobe dieses Motiv auch wieder einfällt. Ich glaube, es regte sich da durchaus eine gewisse Skepsis beim Rest der Band. In Zukunft muss ich mir sowas tatsächlich in Noten aufschreiben, glaube ich. Zu meiner Verteidigung sei auch gesagt, dass ich wegen Erkältung und anderen Gründen nur etwa drei Tage zum Üben hatte, noch nie vergleichbare Musik gemacht habe und die acht Stücke gefühlt mehr Abschnittswechsel und verschiedene Harmonien enthielten als das Gesamtwerk von Emerson, Lake & Palmer. Metal ist halt, um einen anderen Freund zu zitieren, erstaunlich intellektuelle Musik.
Der Auftritt selber war dann im Devil's Place, so einer Art Grillhütte mitten in der Stadt, insofern genau die Art von Venue, wo bisher quasi alle Auftritte, die ich je mit Rockbands hatte, gelaufen sind, wenn man mal von diversen Kirchenmuggen und einem Auftritt in einem größeren Bierzelt in Ober-Bessingen (oder war's Nieder-Bessingen?) 2003 absieht. Erstaunlicherweise habe ich dann auch die in der Probe verwackelten Stücke einigermaßen hingekriegt, der Sound war, obwohl nahezu nur über Backline gespielt wurde, richtig sauber, ich habe Lob von Leuten bekommen, die die Band schon kannten (ich hatte Heralder noch nie gehört), es gab ordentlich Bruch Zwickel für umsonst, natürlich wurde geschwenkt und alles in allem war es ein sehr schöner Abend. Wenn ich es richtig verstanden habe, hat man mir in Form von immerhin 50 Euro Spritgeld sogar die komplette nach Abzug der Getränke übrige Gage weitergereicht, so dass ich meine Unkosten ungefähr um ein Drittel reduzieren konnte.
Sonntag, 17. April 2011
aus aktuellem anlass
Ich will es schon seit Jahren loswerden und finde keine Worte: Die ganze deutschsprachige »Internetgemeinde«, »Blogosphäre«, »digitale Gesellschaft«, »digitale Bohème«, wie auch immer man diese Leute nennen will, geht mir furchtbar auf die Nerven. Dabei kann ich den Finger nicht so richtig darauf legen, was mich eigentlich stört, weil es mehr die Art des Auftretens ist als bestimmte Meinungen und Inhalte, aber eben nicht nur. Und ich befürchte, dass mindestens die Hälfte der Leute, die ich unter die bewusste Gruppe zähle, die mir furchtbar auf die Nerven geht, ihrerseits einmal geäußert haben, dass ihnen diese Gruppe furchtbar auf die Nerven geht, und ich nicht nur deswegen selbst zu ihnen gerechnet werden mag. Ich weiß nur: Wenn ich die Seite irgendeines »A-Bloggers« anklicke, einen Bericht von irgend einem »netzpolitisch« wichtigen Kongress oder sonst irgend etwas »Szeniges«, geht mir grundsätzlich erst einmal der Hut hoch. Warum ist das so?
Wahrscheinlich hat es denselben Grund, warum ich nie mit den 150prozentigen unter den Marburger Geisteswissenschaftlern klargekommen bin - die nervigen Leute im Netz sind irgendwie das digitale Äquivalent von Politologie- und Soziologiestudenten mit Hang zur kritischen Theorie und zu filterlosen Selbstgedrehten, die mit Cordsakko, Arbeitermütze und Gegen-Studiengebühren-Buttons zu venezolanischem Kampfska in selbstverwalteten Kulturzentren herumhüpfen (und bevor jemand fragt: mir ist klar, dass das ein konstruiertes Feindbild ist, aber wer Marburg kennt, weiß, dass es sinnvoll ist, mit diesem Konstrukt zu arbeiten). Die politischen Ähnlichkeiten halten sich dabei schwer in Grenzen, die Netz-Szeneleute tendieren im Großen und Ganzen nicht dazu, sich auf Benjamin und Adorno zu beziehen oder überhaupt auf irgendwelche Theoretiker, die in soziologischen Seminaren vorkommen. Was ist jetzt also der gemeinsame Nenner?
Ich habe mich neulich in München mit einem alten Freund darüber unterhalten, welche Arten von Philosophiestudierenden und sonstigen Philosophieinteressierten wir nicht mögen, und ich glaube, dass ich damit die Antwort habe. Aus irgend einem Grund erwarte ich von den Netzleuten, genau wie ich es früher von den Studenten erwartet habe, einen akademisch-bildungsbürgerlichen Habitus, der sich durch Distanz, Abgeklärtheit, wissenschaftliches Handwerksethos, Trendresistenz und eine gewisse Trockenheit auszeichnet, und bin enttäuscht und verärgert, wenn sie nicht so drauf sind, wie ich das gerne hätte. Die spannenden Fragen sind dabei ad 1), ob diese Erwartungshaltung gegenüber Akademikern durch meine ProfessorInnen und DozentInnen geprägt worden ist oder auf meinem eigenen Mist gewachsen ist, und ad 2), warum ich überhaupt Bloggern und Netzpolitikern in Bausch und Bogen unterstelle, dass sie sich zu benehmen hätten wie Akademiker.
Bei alledem glaube ich, dass dieser mein eigener Dünkel immer noch weniger schlimm ist als die meisten anderen Formen von Dünkel, die es so gibt, aber das ist in sich auch wieder eine dünkelhafte Annahme.
Wahrscheinlich hat es denselben Grund, warum ich nie mit den 150prozentigen unter den Marburger Geisteswissenschaftlern klargekommen bin - die nervigen Leute im Netz sind irgendwie das digitale Äquivalent von Politologie- und Soziologiestudenten mit Hang zur kritischen Theorie und zu filterlosen Selbstgedrehten, die mit Cordsakko, Arbeitermütze und Gegen-Studiengebühren-Buttons zu venezolanischem Kampfska in selbstverwalteten Kulturzentren herumhüpfen (und bevor jemand fragt: mir ist klar, dass das ein konstruiertes Feindbild ist, aber wer Marburg kennt, weiß, dass es sinnvoll ist, mit diesem Konstrukt zu arbeiten). Die politischen Ähnlichkeiten halten sich dabei schwer in Grenzen, die Netz-Szeneleute tendieren im Großen und Ganzen nicht dazu, sich auf Benjamin und Adorno zu beziehen oder überhaupt auf irgendwelche Theoretiker, die in soziologischen Seminaren vorkommen. Was ist jetzt also der gemeinsame Nenner?
Ich habe mich neulich in München mit einem alten Freund darüber unterhalten, welche Arten von Philosophiestudierenden und sonstigen Philosophieinteressierten wir nicht mögen, und ich glaube, dass ich damit die Antwort habe. Aus irgend einem Grund erwarte ich von den Netzleuten, genau wie ich es früher von den Studenten erwartet habe, einen akademisch-bildungsbürgerlichen Habitus, der sich durch Distanz, Abgeklärtheit, wissenschaftliches Handwerksethos, Trendresistenz und eine gewisse Trockenheit auszeichnet, und bin enttäuscht und verärgert, wenn sie nicht so drauf sind, wie ich das gerne hätte. Die spannenden Fragen sind dabei ad 1), ob diese Erwartungshaltung gegenüber Akademikern durch meine ProfessorInnen und DozentInnen geprägt worden ist oder auf meinem eigenen Mist gewachsen ist, und ad 2), warum ich überhaupt Bloggern und Netzpolitikern in Bausch und Bogen unterstelle, dass sie sich zu benehmen hätten wie Akademiker.
Bei alledem glaube ich, dass dieser mein eigener Dünkel immer noch weniger schlimm ist als die meisten anderen Formen von Dünkel, die es so gibt, aber das ist in sich auch wieder eine dünkelhafte Annahme.
Sonntag, 6. Februar 2011
gesehen: Tron: Legacy
Ist der Zweite Weltkrieg seit Star Wars die Blaupause aller Blockbuster? In Tron: Legacy ist die Rede von Völkermord, von schwarzen Garden, die bestimmte Programme auf der Straße exekutiert haben. Geht es nicht anders?
Ist der Zweite Weltkrieg seit Star Wars die Blaupause aller Blockbuster? In Tron: Legacy ist die Rede von Völkermord, von schwarzen Garden, die bestimmte Programme auf der Straße exekutiert haben. Geht es nicht anders?
Sonntag, 12. Dezember 2010
hände und münder überall
Wenn man die aktuelle Ausgabe der von mir bisher hoch geschätzten Zeitschrift DUMMY aufschlägt, fällt einem auf den Seiten 6 und 7 eine doppelseitige Anzeige ins Auge, auf der eine Callgirl-Agentur beworben wird. Das ist ja in der deutschen Presse schon selten genug. Dass das eine Berliner Agentur ist, die Prostituierte vermittelt, die ausschließlich »Künstlerinnen und Akademikerinnen« sein sollen, ist angesichts des vermutlichen Anzeigenpreises gar keine so große Überraschung mehr. Aber das definitiv Schönste an der ganzen Sache sind die Pseudonyme, unter denen die Damen operieren. Die muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen:
- Salomé Balthus
- Elsa Eliot
- Thalia Friedell (!!!)
- Judith Laurentius
- Stella Lichtenberg
- Ariane Maybach (!!!)
- Victoria Monteverdi
- Clara Morgenstern
- Gwendolyn Nightwood
- Sharon Novalis (!!!)
- Paloma da Ponte
- Josephine Swanson
- Serena Vermeer
Kann denn irgend ein potenzieller Kunde diese Homepage besuchen, ohne gleich am Boden zu liegen? Eine Seite, die derartig prätenziös daherkommt und sich auf so unglaublich elegante Weise ins Knie schießt, habe ich auch noch nicht gesehen. Übrigens: Man konnte anscheinend zumindest früher mal bei diesem Laden Sex mit Marlene Lessing haben. MARLENE LESSING. I rest my case.
mega-lol! thanks for making my day! (an anonymous guest)
briefe an meine nichtleser
Lieber David Hamann,
Sie sind 29 Jahre alt wie ich. Im Gegensatz zu mir sind Sie Historiker, und wenn Sie daher einen Satz schreiben wie letzte Woche in der sonntaz -
Viele Grüße,
m.
Sie sind 29 Jahre alt wie ich. Im Gegensatz zu mir sind Sie Historiker, und wenn Sie daher einen Satz schreiben wie letzte Woche in der sonntaz -
»Weltfrieden« gibt es mit oder ohne Wikileaks-Dokumente schon lange nicht mehr.- dann bin ich mir sicher, dass Sie, wie das Historiker so tun, an Quellen belegen können, wann dieser Weltfrieden, den wir offenbar einmal hatten, geherrscht haben soll. Schade, dass Sie mein Blog nicht lesen, sonst könnten Sie hier vielleicht etwas dazu sagen.
Viele Grüße,
m.
Sonntag, 7. November 2010
genderfail
Nachdem ich den Titel bei einer überwältigend psychologInnendominierten Party aufgeschnappt hatte, habe ich jetzt begonnen, mir das HBO-Psychotherapie-Kammerspiel »In Treatment« anzuschauen. Zur Serie selbst möchte ich gar nicht viel sagen, mir ist nur aufgefallen, dass die NY Times in ihrer Kritik zum Serienstart 2008 die Ärztin Laura mal eben in »hospital worker« umgewidmet hat. Was ist das unangehmere Szenario? Dass die Rezensentin die ganz eindeutige und mehrfache Bezeichnung Lauras als »doctor« durch andere und durch sie selbst nicht mitbekommen hat? Oder dass sie, bewusst oder unbewusst, einen Oberbegriff verwendet, den man nicht als grundfalsch bezeichnen kann, aber bei dem das Publikum ganz sicher eher an eine Schwester denken wird, vielleicht, weil es einer Krankenschwester im medialen Unterbewusstsein ähnlicher sieht, Sex mit älteren, verheirateten Männern zu wollen oder zu haben als einer Ärztin?
Sonntag, 24. Oktober 2010
neue ufer
Es wird dann also doch ein neues mawalog geben und zwar hier.
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